DATEV: Jun 2023, Einkommensteuer

Veräußerung eines Miteigentumsanteils am Ein­familienhaus anlässlich Ehescheidung als privates Veräußerungsgeschäft steuerbar

Wenn der geschiedene Ehegatte im Rahmen der Ver­mögensauseinandersetzung anlässlich der Eheschei­dung seinen Miteigentumsanteil an dem gemeinsa­men Einfamilienhaus an den früheren Ehepartner ver­äußert, kann der Verkauf als privates Veräußerungs­geschäft der Besteuerung unterfallen. So entschied der Bundesfinanzhof.

Ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft liegt laut Bundesfinanzhof vor, wenn eine Immobilie innerhalb von 10 Jahren angeschafft und wieder ver­äußert wird. Dies gilt auch für einen hälftigen Mitei­gentumsanteil, der i. R. der Vermögensauseinander­setzung nach einer Ehescheidung von einem Mitei­gentümer an den anderen veräußert wird. Zwar ist die Veräußerung einer Immobilie dann nicht steuerbar, wenn die Immobilie durchgängig zwischen Anschaf­fung und Veräußerung oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eige­nen Wohnzwecken genutzt wird. Ein in Scheidung befindlicher Ehegatte nutzt das in seinem Miteigen­tum stehende Immobilienobjekt aber nicht mehr zu eigenen Wohnzwecken, wenn er ausgezogen ist und nur noch sein geschiedener Ehegatte und das ge­meinsame Kind weiterhin dort wohnen. Eine das Vor­liegen eines privaten Veräußerungsgeschäfts aus­schließende Zwangslage, wie z. B. bei einer Enteignung oder einer Zwangsversteigerung, lag hier nicht vor. Zwar hatte die geschiedene Ehefrau ihren Ex­Partner erheblich unter Druck gesetzt. Letztlich hat dieser aber seinen Anteil an dem Einfamilienhaus an seine geschiedene Frau freiwillig veräußert.